BMW-1500

BMW 1500

In Zeiten der Abwrackprämie wurden und werden insbesondere alte Autos als Klimaschädlinge auf deutschen Straßen ausgemacht. Das Verkaufsargument der Automobilindustrie von immer verbrauchsärmeren und umweltfreundlicheren Neuwagen soll Käufer vom „Klimaschutz durch Neuwagenkauf“ überzeugen. Anschaulich wird der Verbrauch in Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer umgerechnet (beim Verbrennen von einem Liter Benzin werden 2,33 kg CO2 freigesetzt).

Leider verschweigt diese einfache Gleichung, dass allein für die Herstellung eines Fahrzeugs eine große Menge CO2 freigesetzt wird, ohne dass sich ein Neuwagen auch nur einen Kilometer aus eigener Kraft bewegt hat. Ganz zu schweigen von den benötigten Mengen an Rohstoffen und Wasser. Hier haben Neuwagen eindeutig den schwarzen Peter. In Altautos hingegen schlummert viel „graue Energie“, die bereits bei der Herstellung investiert wurde. Sie ginge beim Verschrotten verloren.

Zu Recht genießen Maßnahmen zur Einsparung von klimaschädlichem CO2 eine hohe Priorität. Förderprogramme und Gesetze wurden in den vergangenen Jahren auf den Weg gebracht, um die Freisetzung von CO2 zu vermindern. Strengere Abgasnormen, Maßnahmen zur Verbrauchsenkung sowie die Entwicklung alternativer Antriebe sollen den Benzindurst eindämmen. Obendrein sollte die Abwrack- bzw. Umweltprämie jenen Autos, die älter als 9 Jahre waren, den Garaus machen. Doch wie stellt sich tatsächlich die CO2-Bilanz eines alten Automobils gegenüber einem Neuwagen dar?

BMW E9 Coupé

Im Zeichen der Doppelniere – BMW E9 Coupé

Ein Beispiel

Dies soll beispielhaft an folgendem Szenario geprüft werden. Frau A und Herr B kaufen sich jeweils am 1. Januar 1973 den im Vorjahr neu erschienen Mittelklassewagen BMW 520i (E12). Das Auto verfügt über einen 2-Liter-Motor, der 130 PS leistet und eine Höchstgeschwindigkeit von 183 km/h erreicht. Der durchschnittliche Verbrauch liegt laut Hersteller bei 9,9 l/100 km. Das Gewicht des BMW beträgt 1.250 kg. Frau A wird diesen Wagen 40 Jahre pflegen und ihn bis Ende 2012 jährlich 14.000 km (Durchschnitt in Deutschland 2011 14.200 km; Quelle Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V. 2012) im Straßenverkehr bewegen, insgesamt 560.000 km. Herr B wird fortan ebenfalls 14.000 km im Jahr zurücklegen, sich aber exakt alle 9 Jahre einen neuen 520i zulegen. 9 Jahre entspricht dem Pkw-Durchschnittsalter auf deutschen Straßen (Stand 1. Januar 2015, Quelle Kraftfahrtbundesamt). Am 01.01.2013, dem Ende dieser Beispielrechnung, fährt Herr B einen BMW 520i (E60) Baujahr 2008. Der Motor des 520i liefert nun 170 PS bei einem durchschnittlichen Verbrauch von nur noch 6,7 Litern / 100 km, deutlich weniger als sein Urahne von 1972. Die 170 PS vermögen das mit 1.545 kg nun deutlich schwergewichtigere Fahrzeug auf maximal 224 Kilometer pro Stunde zu beschleunigen. In den zurückliegenden Jahren hat sich Herr B 1982 einen neuen 520i (E28) geleistet, ist im Januar 1991 mit einem 520i (E34) vom Hof seines Händlers gefahren und hat diesen im Jahr 2000 gegen einen 520i (E39) eingetauscht.

Technische Daten BMW 520i

Modell520i E12520i E28 520i E34520i E39520i E60
Baujahr1972-19811981-19871988-19951996-20042003-2010
Gewicht in kg*12501220144514101545
Hubraum ccm*19901990199119911995
CO2 für Herstellung in kg49104793567755396070
Benzinäquivalente der Herstellung in l21082057243623772605
Verbrauch in l/100 km*9,910,38,996,7
Leistung PS*130125150150170
Vmax km/h*183185203220224
*Quelle: Verkaufsprospekte der BMW AG

Was für diese Vergleichsrechnung noch fehlt, sind die CO2-Kosten der Herstellung eines Mittelklassewagens. Entsprechend einer aktuellen Berechnung des Öko-Instituts besteht ein linearer Zusammenhang zwischen CO2-Emission und Fahrzeuggewicht. Demnach würden für die Herstellung eines 1.250 kg schweren 520i E12 4.910 kg CO2 freigesetzt und für einen 520i E60 mit einem Gewicht von 1.545 kg ganze 6.070 kg CO2. Für unsere Beispielrechnung wird als Näherung dieser Zusammenhang auch für die Vergangenheit angenommen. Die industrielle Produktion mag heute effektiver und sparsamer sein als 1973, doch sind heutige Fahrzeuge wesentlich komplexer konstruiert und aufwendiger in der Herstellung.

Grafik-CO2-Bilanz

In der Grafik dargestellt sind die aufsummierten CO2-Mengen für Frau A und Herrn B. Beide starten 1973 mit einer Menge von 4.910 kg CO2 für den Kauf ihrer Autos. Bei Frau A kommen nun jährlich 3.229 kg CO2 für die zurückgelegten 14.000 km hinzu. Am Ende des betrachteten Zeitraums hat sie 134.086 kg auf dem CO2-Konto.

Herr B hat über die Jahre einen tendenziell abnehmenden Benzinverbrauch. Nur der E28 aus dem Jahr 1982 hat einen höheren Verbrauch als der erste BMW von 1973. Am Ende verbraucht der E60 (Baujahr 2008) 31% weniger als der E12. Trotzdem kommt Herr B auf eine CO2-Gesamtmenge von 147.585 kg. Das sind 13.499 kg mehr als bei Frau oder umgerechnet, soviel wie bei Produktion von mehr als zwei 520i E60 freigestezt werden. Ließe man die „CO2-Kosten“ für die Produktion der Neuwagen von Herrn B außer Acht, läge die effektive Benzineinsparung gegenüber Frau A bei nur 10%. Allein mit der für die Herstellung eines 520i E60 freigesetzen CO2-Menge könnte Frau A nahezu 6 Jahre fahren, bevor sich der Neuwagenkauf für Herrn B überhaupt rechnet. Bezogen auf den Zeitraum von 1973-2013 stößt der alte BMW von Frau A 239 g CO2 pro Kilometer aus, hingegen die fünf BMW´s von Herrn B durchschnittlich 264 g.

BMW-E24

BMW E24 Coupé

Fazit

Natürlich lässt sich dieses Szenario nicht ohne weiteres verallgemeinern. So würden beispielsweise bei einer höheren jährlichen Fahrleistung Einsparungen im Benzinverbrauch eine größere Gewichtung bekommen als die „CO2-Kosten“ der Pkw-Produktion. In diesem Beispiel unberücksichtigt blieben zudem die anfallenden CO2-Mengen für Fahrzeugreparaturen und Verschrottung.

Das Rechenbeispiel zeigt jedoch, dass der Vorteil einer relativ geringen Verbrauchsminimierung durch den Kauf eines Neuwagens nicht im Verhältnis zur CO2-Menge steht, die bei der Herstellung freigesetzt wird. Ein Neuwagen schont zwangsläufig nicht das Klima, sondern generiert zunächst zusätzliche Emissionen. In einer aktuellen Untersuchung hat der ADAC zudem herausgefunden, dass bei Neuwagen der tatsächliche Verbrauch bis zu 14% über den Herstellerangaben liegen kann (ADAC Motorwelt 07/2015). Anstatt also regelmäßig in Neuwagen zu investieren, ließe sich das gesparte Geld besser in die technische Aufrüstung alter Automobile mit moderner Einspritztechnik und Katalysatoren stecken.

Der vernünftigere Weg um CO2 einzusparen wäre also, sein Auto häufiger mal stehen zu lassen und wichtiger, es nicht bereits nach 9 Jahren auf den Müll zu werfen. In dieser Disziplin waren Oldtimerbesitzer schon immer führend.

Print Friendly, PDF & Email

Written by Chromzeugen